Braunschweiger Zeitung, 18. Sept. 1999 (Nina Brüwer)
...Ihr Schaffen gleicht der Entwicklung eines Samenkornes. Langsam wachsen die Formen, ein Prozess der Öffnung, des Empfangens, ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. „Es werden lassen“ - mit diesen Worten beschreibt sie ihre Vorgehensweise. Wie Kelche bizarrer Phantasiepflanzen öffnen sich die Skulpturen fragend dem Raum und formen wiederum selbst Räume. Dabei sind die Grenzen zwischen Innen und Aussen fliessend. Raum und Plastik scheinen sich zu durchdringen. Gleichzeitig strahlt die symmetrische Form, die Konzentration auf die Mitte, Ruhe und Gewissheit aus. Die Skulpturen sind zur Metapher des Schöpfungsprozesses geworden. Ausstellung „Objects born not made“, Städtisches Museum, Formsammlung, Braunschweig, gemeinsam mit Dorothea Chabert.

Ausstellungseröffnung Eva Sabine Kunz am 3. Mai 2003 im Kreuzgang der St.Ulrici-Brüdernkirche Braunschweig, „Keramische Skulptur“ Das Werden der Skulpturen von Eva Sabine Kunz ist, wie die Künstlerin selbst sagt, eine Versöhnung von Gegensätzen: Innerhalb des Materials, das durchaus zur Sprödigkeit neigt und hier in eine Gestaltung geführt wird, die zentnerschwere Lasten aushalten muss. In der Form selbst, die mit Gegenformen gestaltet werden muss, weil sonst die in ihr verarbeiteten Massen selbstzerstörerisch wirken. Im Ausdruck, der die wuchtige äußere Gestalt als erste Erscheinung für den Betrachter bereithält, eine Atemlosigkeit ob der Größe der Form; und doch das Auge dazu zwingt, den Innenraum zur Kenntnis zu nehmen, den Blick gewissermaßen einsaugt und zwingt, in ihm eine gleichwertige „Form“ zu finden, die es zu entdecken gilt. In der Anmutung der Skulptur, die statisch ist, gebrannt bei 1200 Grad Celsius, die sich nicht mehr bewegen kann und es doch tut: die zu atmen scheint in ihren Höhlungen, die zu wachsen scheint in ihren blattgleichen Äderungen, in ihren Blutgefäßen.
...das Werden ist bei ihr so wichtig wie das Sein, die Entstehung so wichtig wie das fertige Werk ... dessen Wachsen wie in einer Zwiesprache zwischen dem Material und der Künstlerin geschieht. Die Form bestimmt sich gewissermaßen selbst...
...Eva Sabine Kunz sucht mit ihren Arbeiten Grenzen: Ihre eigenen physischen und geistigen im Prozeß des Schaffens. Sie geht an die Grenzen der Stabilität und Plastizität, ihre Skulpturen sind Innen- wie Außenräume, sie wollen als sichtbare Form, aber auch als Abbild des nicht Sichtbaren, des Archetypischen vom Betrachter entdeckt und erkannt werden...
...Ihr menschliches Maß wirft uns immer wieder auf uns selbst zurück, erlaubt uns immer wieder Fragen zu stellen, eben auch nach Sein und Werden. Ihr Gleichklang von Innen und Außen entspricht dem eines reinen Klanges...
...All dies spiegeln die gewaltigen und doch so filigranen, fast schwerelosen Skulpturen, die es heute Abend zu entdecken gilt. Und sie könnten es kaum besser als an einem Ort, der Hort der Stille ist, der zur Konzentration und Kontemplation auffordert. Der im Umschreiten des architektonischen Raumes und der urarchitektonischen Skulpturformen zur Langsamkeit zwingt, der das Entdecken jenseits des flüchtigen Blicks erst ermöglicht Dr. Annette Boldt-Stülzebach, Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Braunschweiger Zeitung, 2. Juli 2003 (Harald Duin)

...Es gibt nur wenige in Deutschland, die sich an Keramiken solchen Ausmaßes wagen.
Jeder Schritt will also mit sorgfältigster Liebe bedacht sein...
...Eine archaische Kunst, die mit den Usancen heutiger Kunstverfertigung nichts zu tun hat. Die Brüdernkirche mit ihrer Aura der Ewigkeit ist für diese Keramikschöpfungen
der ideale Ort ...
Ausstellung im Kreuzgang der St.Ulrici-Brüdernkirche in Braunschweig, Mai - August 2003